Doppelpunkt

Doppelpunkt

Wer erinnert sich noch an die ZDF-Sendereihe DOPPELPUNKT? Ich hoffe noch viele. Es war die erste bundesweite Diskussionssendung, die unbekannten Menschen ein Forum gab. Der Redaktion ging es um existenzielle Themen von gesellschaftspolitischer Relevanz. Es gab Diskussionsteilnehmer, die von uns in ganz Deutschland recherchiert wurden. Aber nicht alle waren „gecastet“. Jeder Zuschauer konnte persönlich mitdiskutieren. live im Hauptabendprogramm. Man musste nur ins Kulturzentrum nach Mainz kommen. Insofern mussten wir bei jeder Sendung auf alles vorbereitet sein.

Es ging um Themen wie AIDS, Schwangerschaftsabbruch, den Golf-Krieg, Homosexualität, Asylbewerber, Zölibat, Hausbesetzungen in Berlin und die Glaubwürdigkeit der Politik. Fünf Jahre habe ich die Sendung moderiert. Zunächst allein, später im Wechsel mit der österreichischen Journalistin Barbara Stöckl. Der Kern war das Gespräch mit unbekannten Gästen, die aus eigenen Erfahrungen ein Mitteilungsbedürfnis hatten. Hinzu kamen Experten, die kurz Informationen beigesteuert haben. Politiker waren nur im Ausnahmefall zu Gast und sind anschließend häufig wutschnaubend von Dannen gezogen, da sie nicht die Sendezeit erhalten haben, die sie gewohnt waren.

DOPPELPUNKT hat mein komplettes berufliches Leben geprägt. Wir hatten die Zeit und die Möglichkeit, vor den Sendungen vor Ort zu recherchieren und mit Menschen zu sprechen. Vor Sendungen zum Thema „Asylbewerber“ habe ich mir selbst ein Bild von dem Leben in den Unterkünften machen können. Wenn wir über die Bundeswehr gesprochen haben, haben wir bereits vorher in Kasernen mit Wehrdienstleistenden und Vorgesetzten diskutiert.

DOPPELPUNKT wurde mit Auszeichnungen überhäuft. Dies lag sicher auch daran, dass wir bundesweit die ersten mit diesem Konzept waren. Aber die Redaktion, allen voran der Redaktionsleiter Kurt Bernhard Schmaltz, war auch unerschrocken und von inhaltlichem Engagement getrieben. Das arbeiteten keine Marketingexperten, die ihre größte Stärke darin besitzen, die Marktanteile bis in die Minutenverläufe hinein zu analysieren. Wenn ein Thema wichtig war, wurde es gemacht. Und wenn es wegen der ungewohnten Offenheit der Gäste auch zu politischen Fragen Beschwerden aus dem Fernsehrat gab, auch egal. Dies war sicher auch deswegen möglich, weil der damalige Intendant Dieter Stolte das Programm immer gestützt hat.
Gerade weil ich mich mit der Moderation dieser Sendung so identifiziert habe, bin ich dankbar dafür, mit dem Nachtcafé heute eine Sendung zu moderieren, die DOPPELPUNKT in vielem ähnlich ist. Bis hin zu einer von der Leidenschaft für Themen und Menschen getriebenen Redaktion.